Ich muss es schaffen

Sehr oft fallen, wir Sportler über die einfachsten Dinge…
…über die letzte Hürde, den entscheidenden Punkt der uns noch vom Sieg trennt. Wir denken, dass wir nur noch diesen Punkt brauchen um zu gewinnen, hoffen, dass wir nur noch diesen einen irgendwie machen müssen um unser Ziel zu erreichen.
Leider ist aber oft genau dort der Hund begraben. Oft sehe ich Sportler genau dann scheitern, beim letzten Punkt, bei den letzten Metern.
 
Ich habe das auch jetzt bei meiner Weltmeisterschaft am eigenen Leib erfahren dürfen. Ich bin mit großen Erwartungen in die Vorbereitung gegangen und habe mir überlegt, was ich zumindest erreichen müsste um mich für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Ich habe mir dieses Ergebnis als Ziel gesetzt, wohl wissend, dass ich es erst einmal in meinem Leben erreichen konnte, ich dort aber, erst gegen den aktuellen Olympiasieger mit 15:13 den kürzeren gezogen habe.
 
Im Nachhinein müsste ich ehrlich zugeben, dass ich ein Ziel definiert habe, dass extrem hoch angesetzt war.
Oft hört man oder liest man ja, dass Ziele hoch gesetzt sein sollten, um nicht so einfach erreichbar zu sein.
 
Aber genau da liegt der Hund begraben, sie sollten aber auch nicht so hoch sein, dass sie außerhalb des eigenen Horizonts liegen.
 
Das Trainingslager vor der Weltmeisterschaft war für mich ein Nervenkrieg. Die Lockerheit und Sicherheit vergangener Monate waren verschwunden und wurden durch Angst und Zorn betäubt. Das Gefühl des „Erreichen-müssens“ stand mir im Weg.
 
 

Das Gefühl des Erreichen-müssens:

Was ist so schlimm daran etwas unbedingt erreichen zu müssen? Das Wort „müssen“ ist es, was uns immer wieder scheitern lässt. Wir verlieren den Fokus auf unser Inneres, auf unsere innere Stimme und auf den Prozess, den es eigentlich zu durchlaufen gilt.
 
Du verbohrst dich auf das Ziel, siehst nur noch das und nichts mehr anderes. Du vergisst darauf dich zu beruhigen und dich auf das Wesentliche zu konzentrieren, nämlich auf das Tun.
 
 

Zurück zu meinem Erlebnis….

Wie du vielleicht schon gesehen hast, bin ich Fechter. Ich liebe diesen Sport seit rund 20 Jahren, warum es genau fechten geworden ist, kannst du auf meiner „Über mich-Seite lesen.
 
Ich mag es nicht, wenn Dinge nicht nach meinen Vorstellungen und Erwartungen laufen, ich werde dann sehr unruhig, fahrig und auch etwas jähzornig, wenn ich ehrlich bin.
Diese Gefühle breiten sich dann in mir aus und lassen mich sehr verbissen an die Sache herangehen anstatt einen Schritt zurück zu machen, sich zurückzulehnen und zu schauen, was ich tun kann um wieder spielerisch zu sein, versuche ich es mit der Brechstange und mache es so noch offensichtlicher.
 
 

Der liebe Geist, der tödliche Gedanke

Vielleicht erkennst du dich in diesem Artikel, umso mehr du es auch probierst, umso verbissener du es willst umso schlechter geht es, es geht das Momentum, das Gefühl verloren und kommt nicht mehr zurück.
 
Ich weiß noch genau welche Gedanken in mir vorgingen, was meine innere Stimme mir gesagt hat „Das musst du auch im Training jetzt gewinnen.“ „Die Weltmeisterschaft wird dein wichtigstes Turnier in deinem Leben.“ „Wie soll ich dort nur ins Viertelfinale kommen, wenn ich nicht einmal gegen den hoch gewinnen kann.“
 
Wie du erkennst, sind diese Gedanken nicht nur negativ sind, sondern drehen sich komplett um das Falsche. Meine Gedanken kreisten um Ergebnisse, um Erwartungshaltung aber nicht um den Prozess, den ich benötigt hätte um dorthin zu kommen.
 
Diese Gedanken sind tödlich. Sie lassen einen innerlich sprichwörtlich erstarren und zehren die Energie aus.
Sportwissenschaftler haben dazu sogar einen Test gemacht. Sie haben bei einem Sprinter namens Asafa Powell die Vorspannung im Muskel gemessen als er locker und als er bei der Weltmeisterschaft über die 100m der große Favorit war. In diesem Lauf verletzte er sich übrigens nach wenigen Metern.
 
Sie konnten feststellen, dass die Spannung des Muskeln im angespannten Zustand um einiges höher war, als normal.
Das bedeutet, dass der Muskel wenn du ruhig und entspannt in einen Wettkampf gehst, leistungsfähiger ist, weil der Unterschied zwischen Anspannung und Entspannung größer ist und du so bessere Ergebnisse erzielen kannst.
 
 

Deine Erwartungshaltung:

Das ganze lässt sich aber zum Glück aus der Welt schaffen, oder zumindest eingrenzen. Das was du tun musst ist, deine Erwartungshaltung zu verändern und dich auf das zu konzentrieren was du tun musst, um dein Ziel zu erreichen anstatt nur auf das Ziel zu starren.
Setze dir Meilensteine, Zwischenziele, die die Aufgaben leichter machen und unter denen du danach sofort ein Häkchen machen kannst.
 
Auch ich hätte das für die Weltmeisterschaft tun sollen.Ich hätte mir als Ziel setzen sollen in der Runde zumindest vier Gefechte zu gewinnen: „Check“ geschafft.
Nächstes Ziel, fünf beziehungsweise alle sechs Gefechte gewinnen: „Check“ geschafft.
Der nächster Meilenstein, wäre dann die erste direkte Eliminationsrunde zu gewinnen gewesen „Check“ auch das erfüllt.
 
Erwartungshaltung lässt uns sehr oft scheitern. Sie hemmt uns im Tun und im freien Handeln.
 
 

Dein 8-Punkte-Plan für deine Höchstleistung:

    • Selbstbewusst im Wettkampf
    • Spaß an der Herausforderung haben
    • Kühlen Kopf bewahren, wenn's drauf ankommt.




    Autosuggestion:

    Das Thema Autosuggestion ist ein unglaublich großes und ich schneide es hier nur ganz kurz an, denn sonst würde es jeglichen Rahmen des Artikels sprengen.
    Autosuggestion ist die Art und Weise wie wir uns über das Sprechen selbst programmieren. Die Stimme kann wie in meinem Fall beim Trainingslager sagen „Du musst das jetzt gewinnen.“ Oder kann dich auch unterstützen, indem sie dir gut zuredet, dir sagt, dass du das packst, es schaffst, dich auf das Wesentliche konzentrierst oder dich entspannen sollst.
     
     
    Die Top-3 der Autosuggestionen für Sportler sind:
     
    1. Ruhig, du schaffst das!
    2. Fokussiere dich!
    3. Los jetzt, gib alles!
     
    Sprich dir diese Autosuggestion immer wieder laut oder leise vor. Du kannst das tun, wenn du merkst, dass du nervös wirst, oder wenn du dich niedergeschlagen fühlst oder etwa wenn du dich besonders motivieren möchtest.
     
    Natürlich kannst diese Autosuggestionen auch zu deinem persönlichen Ritual machen und dich damit in eine gewisse Stimmung versetzen.
     
    Ich empfehle dir sie aber nicht nur vor dem Wettkampf einmal auszuprobieren. Es braucht Zeit, wenn du sie auch in schwierigen oder stressigen Situationen abrufen können möchtest.
     
    Sprich sie dir aber auf jeden Fall mehrmals hintereinander durch. Gute Wirkung erzielst du auch damit, wenn du sie etwa immer fünf Mal hintereinander aussprichst. Du wirst merken wie sich auch deine Physiologie verändert.
     
     

    Autosuggestion lässt sich aber auch anderwärtig nutzen:

    Setze sie ein, um dich im Wettkampf zu leiten und dich selbst zu coachen. Ich kenne viele Sportler, die sich ständig gut zureden und sich so selbst betreuen. Sie sagen sich, was sie als nächstes zu tun haben, wie so vorgehen sollen und was sie anders machen sollten und motivieren sich immer wieder damit.
     
    So weit so gut, ein kleiner Einblick in mein Leben und meinen Alltag als Sportler. Ich hoffe er hat dir gefallen und du hast Freude daran.
    Es würde mich freuen, wenn du mir einen Kommentar schreiben würdest, ob du solche persönlichen Einblicke ab jetzt öfter möchtest, oder dir das eher egal ist.
     
     
    Erfolg ist Kopfsache!
     
    Dein,
     
    Unterschrift

    PS.: „A man with no imagination, has no wings.“ –Muhammed Ali.

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