Ist Österreich eine Sportnation?

Sportnation

Österreich als Sportnation? Geht das Überhaupt

Dinge, die du noch nicht über mich wusstestEs ist ja in der letzten Zeit viel geschrieben worden über uns Sommersportler und Österreich als Sportnation.

Auf der einen Seite werden wir als Olympiatouristen abgestempelt, wie es etwa die Tageszeitung „Österreich“ in ihrem Onlineportal Ö24 tat und auf der anderen Seite wird nach der Bronzemedaille im Segeln kollektiv durchgeatmet.

Ich schreibe diesen Artikel, weil ich selbst Sommersportler bin.

Als Heeressportler in der Sportart Fechten, darf ich meinen Traum leben. Ich habe mich aber zugegebener Maßen nicht für die Spiele qualifizieren können. Was, warum und wieso gibt es hier nachzulesen.

Ich reiße aber trotzdem meine Klappe auf

Wie Felix Gottwald richtig schreibt ist der erste Katzenjammer verflogen, das erste Drama abgeschlossen. Dass der „Blick in den trüben Medaillenspiegel uns deswegen so wehtut, weil wir sehen, wo wir stehen!“ ist wieder ganz ein anderes Thema.

Dein 8-Punkte-Plan für deine Höchstleistung:

    • Selbstbewusst im Wettkampf
    • Spaß an der Herausforderung haben
    • Kühlen Kopf bewahren, wenn's drauf ankommt.




    Doch keine Sportnation oder was?
    Aber wird sind doch im Skifahren dafür TOP oder?
    König Fußball und bald auch wieder Kaiser Skifahren werden der österreichischen Medienlandschaft wieder genug Stoff liefern, um zwanzig Seiten Sport pro Tag füllen zu können. Egal ob es darum geht, welchen neuen Sponsor dieser oder jener Fahrer hat oder wer sich verletzt hat.
    Und das ist prinzipiell nicht schlecht, bitte versteht mich nicht falsch.

    Sind wir noch die Skination Nummer 1?

    Sportnation

    Dennoch möchte ich etwas weiter ausholen und noch auf andere Aussagen in Medien eingehen. Peter Schröcksnadel hat für mich richtig gesagt, dass Österreich nicht unbedingt eine Wintersport-Nation ist sondern eine ÖSV-Nation. Doch warum ist das so?
    Was macht aus dem Zwergenstaat Österreich, die Skination Nummer 1?

    Wenn ich schnell antworten würde, ist es deshalb so, weil Skifahren bei uns als nationale Angelegenheit eingestuft wird und sowohl Politiker aller Ebenen, samt Förderinstitute und Medienlandschaft und die wichtigsten Österreichischen Firmen als zahlungskräftige Sponsoren dahinterstehen.

    Meine kokette Frage ist dennoch, ob wir uns überhaupt noch als die Wintersportnation Nummer 1 anpreisen können?

    Wenn ich mir die Medaillenspiegel der letzten drei Olympischen Spiele ansehe dann konnten Österreichische Sportler in Sotschi 17 Medaillen, in Vancouver 16 und in Turin 2006 23 Medaillen gewinnen. Das zeigt, dass wir auf jeden Fall zu den Besten gehören.

    Die letzten Jahre im Gesamtweltcup haben aber gezeigt, dass anderen Nationen mit wahrscheinlich weniger Budget uns gefährlich nahe gekommen sind und dass es auch für Österreichische Rennläufer nach Marcel Hirscher und Anna Veith(Fenninger) schwierig ist. Die Zeiten, in denen Österreich acht der ersten zehn Läufer stellte, scheinen im Moment zumindest vorbei zu sein.

    Wir brauchen ein gesamt ÖSTERREICHISCHES Umdenken

    Lieber Felix, ich gebe dir da zu 100% recht, jede Chance eine Medaille zu gewinnen, wurde eher zu einem Wettkrampf anstatt spielerisch an die Sache heranzugehen.

    Auch wenn das jetzt von außen leicht gesagt ist. Ich weiß selbst sehr gut, dass ein normaler Wettkampf, wie wir als Fechter acht Weltcups oder Grand Prixs pro Jahr haben, nicht mit einer Europa- oder Weltmeisterschaft, geschweige denn mit den Olympischen Spielen zu vergleichen ist. Jeder Sportler, den ich kenne, wird mir hier glaube ich zustimmen. Das Flair, die Stimmung ist eine andere, der Druck ist größer und die Erwartungshaltung von einem selbst und von außen ebenso.

    Dass Erwartungshaltung den Druck erhöht ist leicht zu erklären, das „Was-Wäre-Wenn“ typisch Österreichisch. Was Erwartungshaltung und Druck bewirken, ließ sich leicht bei der Europameisterschaft in Frankreich erkennen.

    Wochen zuvor wurden die Spiele der Quali auseinandergenommen, minutiös aufgearbeitet und die Stärken der Österreichischen Nationalmannschaft herausgestrichen. Als Ziel wurde mindestens das Viertelfinale ausgegeben, geträumt wurde von einem Halbfinale oder sogar vom großen Finale. Dass die Burschen an dieser Erwartungshaltung zerbrachen und Spieler wie Alaba, Janko und Arnautovic unter ihrer Leistungsgrenze spielten, war für mich keine Überraschung.

    Das große Problem ist Erwartungshaltung:

    „Der beste Weg in die Depression ist, weiß man aus Coaching und Therapie, Ist-Soll-Abweichungen zu konstruieren und dann viel Drama zu machen, wenn sie eintreten.“ (Felix Gottwald)

    Wir geben zuvor eine Soll-Wert aus, der 3-5 Medaillen entspricht. Mit jeder „vertanen“ Chance, steigt der Druck, der sowieso schon groß genug ist, auf jeden Sportler, der noch vor seinem Bewerb steht. Mit jedem Bewerb, der keine Medaille einbringt, wird der Spalt zwischen IST und SOLL immer größer. Der Druck steigt, Medien tun ihr übriges Stichwort „Olympiatouristen“ und eine öffentliche Diskussion kommt ins Rollen.

    Dass der Österreichische Staat und Österreichs Gesellschaft von uns Sportlern erwarten darf, dass wir uns reinhauen und alles geben für unsere tolle Nation, ist vollkommen klar und logisch, dennoch wissen die wenigsten wie schwierig es dennoch ist, eine Medaille zu gewinnen.

    Mein guter Freund Matthias Willau hat das in einem Artikel in der Tageszeitung „Der Standard“ ausgeführt und dafür, wenig verwunderlich auch massenhaft Kritik geerntet. „Wir sind ein Haufen Verrückter, die jede Vernunft über Bord werfen und unser Leben dem Leistungssport widmen.“ – derstandard.at/2000043273987/Wollen-wir-ueberhaupt-noch-Spitzensport

    Dinge gehören verändert:

    Felix Gottwald schreibt meiner Meinung nach vollkommen richtig, dass Dinge verändert werden müssen. Es muss eine Österreichische Sportkultur geschaffen werden, die von Grund auf verändert werden muss. Wenn wir so weiter machen, darf uns nicht wundern, dass wir immer das gleiche herausbekommen und hier spreche ich nicht nur von Leistungssport.

    „Die Definition von Wahnsinn istimmer wieder das Gleiche zu tuund andere Ergebnisse zu erwarten.“ -Albert Einstein 

    Denn, wenn wir uns Zahlen anschauen, dann sind mittlerweile knapp 50% aller Kinder Adipositas (schweres Übergewicht) gefährdet und neigen in späterer Folge zu Krankheiten beginnend von Herz-Kreislauf-Schwierigkeiten bis hin zu Diabetes. Dies wird unserem Staat weit mehr Kosten bereiten, als die tägliche Turnstunde oder die eine oder andere Förderung für Sportler.

    Ich bin davon aber überzeugt, dass dafür auch die Rahmenbedingungen verändert werden müssen.

    Die tägliche Turnstunde:

    Sie ist sicherlich besser als nichts, keine Frage. Aber verändert sie wirklich das Verständnis, den Zugang zu mehr Bewegung? Ich würde mich es nicht trauen, diese Frage sofort mit einem „JA“ zu beantworten. Umso wichtiger ist es, dass das Angebot an sportlichen Aktivitäten steigt. Egal ob dies in den Schulen in Nachmittagseinheiten ausgeführt oder auf Vereine übertragen wird.

    Sollte dies der Fall sein, muss aber die Unterstützung von Seiten der Politik und der Wirtschaft für Vereine, die wirklich starke Jugendarbeit liefern erhöht werden, damit sich diese Tätigkeit auch wirklich rentieren kann. Dies ist aber nur über finanzielle Unterstützung möglich, die zum Ausbau der Infrastruktur und zur Bezahlung von Trainern und Instruktoren gebunden sein sollte.

    Wir brauchen die Leistungssportler:

    Was ich im Kleinen erlebe, ist 1:1 auch für Sportler wie Marcel Hirscher übertragbar. Wenn ich eine Fecht-Einheit in meinem Heimatklub in Krems abhalte, wollen die Kinder mit mir trainieren, sich Autogramme holen und fragen mich, was sie besser machen können.

    Als ich noch nicht Nummer 1 Österreichs war, war es für mich nicht anders. Ich habe mir Tipps von Österreichs besten Fechtern geholt, meine Jacke mit Autogrammen zugepflastert und war stolz darauf, wenn mich einer dieser Sportler zu einem Gefecht eingeladen hat.

    Sie waren meine Vorbilder, meine Helden, meine Leitfiguren!

    Wir brauchen Sportler als Zugpferde. Ich höre oft, dass es ohne Breite keine Spitze geben kann, aber genauso wenig kann es ohne Spitze keine Breit geben und das wird zu oft außer Acht gelassen.
    Wem sollen Kinder nacheifern, wenn es keine Spitze gibt? Wer soll Erwachsene zum Sport anregen außer Leistungssportler, an denen sie sich orientieren können. Niemandem!

    Wenn ich und ich bin mittlerweile auch einige Jahre als Sportler tätig, jedes Jahr hoffen muss, ob ich mir meine Saison überhaupt leisten kann, oder welche internationalen Wettkämpfe ich fahren kann und ob ich neben Sport und Studium nicht vielleicht sogar arbeiten gehen muss, damit ich mir meinen Sport „LEISTEN“ kann, hört für mich das Verständnis auf. Und da rede ich noch nicht davon, ob ich meinen Heimtrainer zu einem Wettkampf mitnehmen kann, oder ein Physiotherapeut bei den Wettkämpfen dabei ist.

    Wenn ich nicht weiß, ob ich im Bundesheer bleiben kann, ob das „TEAM ROT-WEISS-ROT“ mich in einem Jahr fördert und im nächsten Jahr nicht, wird es schwierig.
    Dass ich aber auch nicht immer alle Kriterien dafür erfülle, gebe ich offen zu. Ich will das nicht als Kritik aufgefasst wissen, denn mit öffentlichen Geldern gehört sparsam umgegangen.

    Und trotzdem tue ich mir dann mit Aussagen schwer, wenn Menschen meinen, über Sportler richten zu müssen.
    Denn für jeden wäre es schwierig nicht zu wissen, ob und wie es nächstes Jahr weiter geht.

    Trotzdem hat Felix Gottwald vollkommen recht, wenn er sagt, dass jammern und trauern nicht hilft, sondern dass neue Konzepte erstellt gehören, die hoffentlich auch diese Thematik bedenken. Egal um welchen Sport es sich nun handelt. Die Rechnung geht ohne Spitzensportler, egal ob sie jetzt Kajak fahren, schwimmen, laufen, segeln oder wie in meinem Fall fechten einfach nicht auf!!!

    Felix Gottwald 1+1=3 Rolemodel:

    Felix Gottwald beschreibt damit den Prozess, sich mit dem eigenen Wissen mit Gleichgesinnten, die gleiche oder ähnliche Wertvorstellungen aufweisen wie man selbst, zu verbinden. Das führt zur Aggregation von Kompetenz. Ich sehe Sport und Sportler hier auch als Transfermedium einer sporttlich-aktiven Idee.
    Sportler können als Vorbilder dienen und so Menschen zu mehr bewegen und mehr Bewegung anregen.

    Sportwissenschaftliches Know-how, sportpsychologische Methoden, technische Fertigkeiten auf der einen Seite, Werte wie Durchhaltevermögen, Disziplin und Ausdauer auf der anderen Seite sind in unserer Gesellschaft gefragt. Wir benötigen sie nicht nur um eine Sportnation zu werden, sondern auch um wirtschaftlich wieder Fahrt aufzunehmen.

    Hier wäre es aber auch sehr wichtig den Trainerberuf als etwas anderes darstellen zu können und ehemalige Leistungssportler an ihre Sportart zu binden, anstatt dieses Know-how einfach verfliegen zu lassen. Ich höre leider viel zu oft, dass es im Moment überhaupt keinen Sinn macht Trainer zu werden, weil die Aussichten einen Job zu bekommen, gelinde gesagt schlecht sind, die Bezahlung eher am unteren Limit angesetzt ist und die Rahmenbedingungen dafür einfach nicht gegeben sind. Macht das nicht auch irgendwie eine Sportnation aus?

    Warum sollte ich mich als Sportler also darauf einlassen?
    Warum sollte ich mich in dieses Wagnis stürzen, um dann wie ich es aus dem Fechten kenne, nach Amerika gehen zu müssen um dort einen eigenen Klub aufzumachen, weil es die einzige Möglichkeit ist, um Geld zu verdienen?
    Das kann nicht die Lösung sein!

    Es gibt viele Fragen, die beantwortet werden müssen, aber um mit Felix Gottwald abzuschließen, hoffe ich auf das Beste, denn:

     

    „10.000 Stunden intensive und begeisterte Beschäftigung mit einer komplexen Materie, weiß man aus der Hirnforschung, ist eine gute Voraussetzung, um exzellente Kompetenzen in einer Sache zu entwickeln. Wir haben viele beste Köpfe in Österreich, vielleicht manche (noch) nicht in offiziellen Sportfunktionen, aber es gibt sie. Und mit ihnen kann gelingen, dass wir noch eine echte Sportnation werden.“

     

    Auf die Sportnation ÖSTERREICH!

    Unterschrift

    Ein Kommentar, sei der nächste!

    1. Ja da bin ich auch total deiner Meinung. Es braucht das umdenke! Die Mentalität der Österreicher hat eine entscheidende Wirkung auf den Sport in Österreich. Gut dass es Leute wie dich Johannes gibt die auch über den Tellerrand sehen und aktiv was verändern!!

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