Sportler-Typen Teil 2: Der Unmotivierte und der Ziellose

Gehörst du zu diesen Sportler-Typen?

Ich habe mich letzte Woche mit den ersten beiden Sportler-Typen befasst und wie ihnen Sportmentaltraining dabei helfen kann, auf die oberste Treppe zu steigen.
 
Wenn du dich eher als Trainingsweltmeister oder als übermotivierter Sportler einschätzen würdest, dann empfehle ich dir den Artikel der letzten Woche.

Trainingsweltmeister und Übermotivierte

Dieses Mal möchte ich mich mit zwei anderen Sportler-Typen auseinandersetzen. Typ 1 ist der Unmotivierte, manchmal auch Faule genannt, der beim Training nicht wirklich gerne Gas gibt und der zweite Typ ist der Ziellose, der zwar Spaß daran hat, den Sport aber einfach tut und einfach so umherschwimmt ohne einen konkreten Plan zu haben, wo es hingehen soll.

Der Unmotivierte

 
Der Unmotivierte
 

„Ich habe einfach keine Lust heute hier zu sein. Das Wetter ist so schön draußen und wir hocken hier in der Halle rum und schwitzen, wie die Schweine.“
 
Kennst du diese Gedanken oder diese Unterhaltung? Ich habe sie vor einigen Jahren mit einem anderen Fechter geführt, als wir uns auf die Weltmeisterschaft vorbereitet haben.
Ich habe ihn gefragt, was er denn erreichen möchte. Er hatte eine genaue Vorstellung davon, was er noch als Sportler gewinnen wollte und welche Medaillen in seiner Sammlung noch fehlten.
 
Der Unmotivierte sieht oft die „Schattenseiten“ des Sportes. Ich gebe zu, es gibt Dinge, die anstrengend sind, es gibt Momente, da musst du als Sportler über deine Grenzen gehen, es gibt Tage, da liegst du wahrscheinlich vor Erschöpfung am Boden, aber sind diese es nicht wert für den einen Moment?
 
“I hated every minute of training, but I said, ‚Don’t quit. Suffer now and live the rest of your life as a champion‘.” -Muhammed Ali.

 
Muhammed Ali drückt damit genau dies aus. Ja es stimmt, Training ist nicht immer lustig, es kann auch anstrengend sein.
Es wird Momente oder Phasen geben, in denen du dich fragst, warum du das Ganze machst, wozu du dich schinden sollst, ob es sich überhaupt auszahlt. Du wirst unmotiviert sein und keine Lust auf Training haben, aber du hast eine Vision, ein Ziel.
 
Wichtig für den Unmotivierten ist eine Veränderung des Mindsets, mit dem er an die Sache herangeht.
Du siehst Krafttraining und Ausdauereinheiten als das größte Übel an? Du hasst lange Intervallläufe mehr als alles andere. Werde dir im Klaren, dass dich jede dieser Einheiten einen Schritt näher an deine Vision bringt.
 
Sieh sie als Dinge, die du dazu beitragen kannst, dass du deine Vision nicht nur leben sondern dir auch den Traum vom Sieg, von der Medaille, von der Bestzeit verwirklichen kannst.
Dafür ist es doch wert zu kämpfen und Dinge auf sich zu nehmen nicht wahr?
 
Stelle dir vor, wie du ganz oben auf der obersten Treppe stehst, wie du deinen Namen aufleuchten siehst auf der Anzeigetafel, wie du die Medaille umgehängt bekommst, ist es alleine das nicht schon einmal wert dafür zu kämpfen?
 
Du kannst auch dazu übergehen, dir für jede Einheit ein Ziel zu setzen. Wenn du etwa in die Kraftkammer gehst, kannst du dir als Ziel definieren, dass du dein Maximalgewicht stemmen kannst. Es wird aber Tage geben, an denen dein Körper einfach nicht in der Lage dazu sein wird, war dann das Training umsonst? Hast du versagt?
 
Nein, denn Zielsetzung könnte auch auf einer anderen Ebene funktionieren. Setze dir als Ziel in der Einheit deinen Fokus zu trainieren und dich so wenig wie möglich ablenken zu lassen.
Du kannst es dir als Tagesziel setzen, über das Training deine Motivation mit Leitsprüchen, wie etwa „Ich arbeite gerne an mir und meiner Entwicklung!“ hoch zu halten oder dich darin zu trainieren, deine technischen oder taktischen Fähigkeiten oder deine Wahrnehmung zu verbessern.
Wenn du diese Dinge umsetzt, wird es dir schwer fallen nicht motiviert in ein Training zu gehen.
 
Wichtig für dich als Unmotivierter ist es, dass du auf der einen Seite den Mindset adaptierst und es dahin gehend lenkst, dass du dich fragst, was du machen musst um deine Ziele erreichen zu können.
Wenn du unmotiviert bist, kannst du dich auch über Selbstregulationstraining wieder in die richtige Stimme versetzen. Autosuggestion hat sich hierbei für Sportler als sehr praktikabel erwiesen und ist leicht und schnell einsetzbar.
 

Dein 8-Punkte-Plan für deine Höchstleistung:

    • Selbstbewusst im Wettkampf
    • Spaß an der Herausforderung haben
    • Kühlen Kopf bewahren, wenn's drauf ankommt.




    Hier habe ich noch ein paar weiterführende Infos für dich:

    http://econtent.hogrefe.com/doi/full/10.1026/1612-5010.16.3.80
    Gabler, H., 2002, Motive im Sport. Motivationspsychologische Analysen und empirische Studien. Schorndorf: Hofmann.
    http://breakingmuscle.com/sports-psychology/the-science-and-psychology-of-motivation-for-athletes
     

    Der Ziellose

     
    Zielsetzung für Ziellose
     
    Ich bin immer wieder überrascht, wie viele Leistungssportler ich kenne, die eigentlich kein Ziel keine Vision von sich und dem haben, was sie umbedingt einmal erreichen wollen.
    Ich habe in Coachings immer wieder festgestellt, dass viele Sportler gar nicht wissen, wo sie hin wollen und ich weiß schon, ich sage das jetzt zum gefühlt 100ten Mal, aber ohne einer klaren Zielsetzung ist der Mensch bei weitem nicht in der Lage alles aus sich herauszuholen und sich zu verbessern und vor allem nicht Großes zu vollbringen.
    Wenn du mich fragst, ist das schade.
     
    Der Ziellose trainiert weil er den Sport gerne macht, weil er auch relativ gut in der Sportart ist, er macht einfach, ohne viel darüber nachzudenken.
    Er hinterfragt sich selbst nicht und auch nicht das Training, sondern spult die Einheiten einfach ab.
     
    Verstehe mich nicht falsch, Spaß am Training zu haben ist unglaublich wichtig, deine Stimmung sollte aber auch zielgerichtet sein und du solltest deinen Fokus darauf richten, was du erreichen willst.
    Viele Athleten, die ziellos umher trainieren, werden früher oder später von anderen Athleten überholt und lassen es dann, weil es keinen Sinn mehr für sie macht.
    Es würde aber ein Leichtes sein, diese Sportler wieder auf Schiene zu bringen.
    Wenn du das Gefühl hast, dass du zu dieser Gruppe zählst, musst du dich zuerst einem Ziel, einer Vision verschreiben. Dafür brauchst du aber Zeit, setzte dir eine Priorität, der du den Rest unterordnest.
    Du hast noch keine Vision? Dann frage dich doch einfach, was du tun wolltest und du erreichen wolltest, als du damals als Kind mit deiner Sportart begonnen hast.
    Wolltest du Weltmeister oder Olympiasieger werden? Schnellster Läufer aller Zeiten werden? Den weitesten Sprung auf die Schanze knallen? Die schönste Choreographie zeigen oder bei Real Madrid spielen?
     
    Schau dir diese Vision genau an, fühle dich hinein und bade in diesem Erlebnis. Nutze dabei allein deine Kanäle. Schau dir jedes Detail genau an, höre hin was gesprochen wird, wie die Lautstärke ist, wo sie herkommt, fühle hinein welche Emotionen in diesem Moment in dir hochkommen und wo du sie fühlst, nimm alles in dich auf.
     
    Jetzt hast du eine Vision, das warum du den Sport betreibst.
    Schritt zwei ist es, das Ziel auszuformulieren. Ich habe hier eine Anleitung für dich erstellt. Es gibt unzählige Studien aus der Wirtschaft und aus dem Sport, was eine klare Zielsetzung bringt. Das ist wissenschaftlich belegt.
     
    Ich möchte es dir nur kurz so erklären, du kennst doch sicherlich die Filme Fluch der Karibik
    (wie viele es auch davon schon gibt, keine Ahnung).
    Jack Sparrow hat einen Kompass, der für alle anderen kaputt erscheint, die Nadel zeigt nicht nach Norden.
    Sie zeigt dorthin, wo der Besitzer hin möchte, er gibt die Richtung vor, wenn Jack einen Wunsch an ihn richtet.
    So ähnlich ist das mit deinen Gedanken. Du musst wissen, dass unser Geist ein unglaubliches Repertoire an Möglichkeiten besitzt, dass nur darauf wartet erschlossen zu werden. Der erste Schritt ist zu wissen wo du hin willst.
     
    Setze dir also ein Ziel, eine Vision und frage dich, was du benötigst um dorthin zu kommen. Schreibe es auf, schreibe dazu bis wann du es erreicht haben möchtest und was du dafür tun kannst.
    Definiere dir auch Zwischenziele auf dem Weg dorthin und frage dich welche Skills, welche Fähigkeiten du dir noch aneignen musst um es zu erreichen.
     

    Hier habe ich noch ein paar weiterführende Infos für dich:

    http://www.appliedsportpsych.org/resource-center/resources-for-athletes/principles-of-effective-goal-setting/
    http://www.active.com/health/articles/athlete-s-guide-to-setting-goals
    http://believeperform.com/performance/goal-setting/
    Sport ist Kopfsache!
     
    Dein,
    Unterschrift
     
    Muhammed Ali

    4 Kommentare, sei der nächste!

    1. Hallo Johannes,

      danke dir für deinen Post!

      ich erkenne mich ein klein wenig im Profil des „Ziellosen“ wieder ;). Dein Beitrag hat mich auf jeden Fall dazu bewegt mir Gedanken zu meinen sportlichen Zielen zu machen.
      Es ist schon sonderbar, aber manchmal vergisst man vor lauter Training welches Ziel man überhaupt anstrebt.

      „Setze dir also ein Ziel, eine Vision und frage dich, was du benötigst um dorthin zu kommen. Schreibe es auf, schreibe dazu bis wann du es erreicht haben möchtest und was du dafür tun kannst.“

      ich muss mir das irgendwo aufschreiben, am besten deutlich sichtbar 😉

      Danke für diese Inspiration!

      Grüsse
      Stefan

    2. Hallo Johannes,

      danke für den Link zum Artikel! 🙂

      Irgendwie mysteriös, aber auch unheimlich spannend, wie uns das Unterbewusstsein zu unseren Zielen führt.
      Ich habe das Gefühl, man kann gar nicht oft genug daran erinnert werden, dass Programme umgeschrieben werden können ;).

      Grüsse
      Stefan

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